Masseur schiesst Mettlach zum Masters

Physio-Therapeut Florian Kirch spielt im Tor und verwandelt entscheidenden Siebenmeter

Großer Jubel beim SV Mettlach. Durch den Sieg beim Masters-Qualifikationsturnier der SG Wahlen-Niederlosheim löste der Saarlandligist das Ticket für das Masters-Finale in Erbach. Dabei wurde Florian Kirch zum Helden für seine Mannschaft.

Losheim.
Florian Kirch sah sie noch kommen, wehren konnte er sich aber nicht. Freudetrunken und jubelnd sprangen die Spieler des Fußball-Saarlandligisten SV Mettlach ihrem Physio-Therapeuten entgegen – und rissen ihn um. Der 24-Jährige lag nach dem Finale des von der SG Wahlen-Niederlosheim in der Losheimer Dr. Röder-Halle ausgerichteten Hallenfußball-Turniers ganz unten im Jubelknäuel. „Ich habe sogar irgendwie eine abbekommen. Meine Lippe ist ein wenig dick. Aber das ist egal“, erklärte Kirch später lachend.

Mettlach musste gewinnen

Und warum stürzten sich die Spieler ausgerechnet auf ihren Physio-Therapeuten? Die Antwort ist einfach. Da Stammtorwart Frank Schmidt nicht in der Halle spielen wollte und Vertreter Frank Hennen nach einem verbalen Ausrutscher eine Woche zuvor eine Denkpause erhalten hatte, beorderte Mettlachs Trainer Ralf Schmidt seinen Physio für das letzte Hallenturnier in die Kiste. Und der wurde dann auch gleich zum Helden. Denn Mettlach brauchte nach den Ergebnissen aus den anderen Hallen unbedingt einen Turniersieg in Losheim, um sich fürs Masters-Endturnier am 5. Februar in Erbach zu qualifizieren. Mühelos spielte sich der Saarlandligist dann auch bis ins Endspiel. Dort wartete dann allerdings mit Verbandsligist SV Losheim ein harter Brocken auf die Schmidt-Elf. Noch in der Vorwoche hatte Mettlach beim eigenen Turnier im Finale mit 1:4 gegen diesen Gegner verloren.
Im Endspiel waren beide Teams bemüht, keinen Fehler zu machen. Die Defensivreihen arbeiteten hochkonzentriert, und so stand es nach 15 Minuten 0:0. Das Siebenmeterschießen musste entscheiden. Und dort kam der große Auftritt von Kirch: Zunächst lenkte er den Siebenmeter von Losheims Jean-Pierre Colle mit einer Hand an die Latte. Dann verwandelte der 24-Jährige den letzten Siebenmeter eiskalt zum 5:3 für Mettlach. Mettlach war beim Masters und Kirch der gefeierte Mann.

Zweitliga-Spiele im Badminton

„Ich kenne solche Drucksituationen schon, weil ich früher Leistungssport betrieben habe. Deshalb war ich eigentlich ganz locker“, erklärte Kirch. Der Mettlacher Physio-Therapeut hat sogar schon Zweitliga-Spiele absolviert. Allerdings nicht im Fußball, sondern im Badminton. Für den 1. BC Düren (bei Aachen) schwang er in der zweiten Bundesliga den Schläger, ehe es ihn berufsbedingt ins Saarland zog. Dort wurde der in Saarbrücken lebende Rheinländer dann im Sommer 2010 Physiotherapeut in Mettlach. Im Februar 2011 entschied er sich, ein wenig im Tor mitzutrainieren. „Ich hatte früher schon einmal im Tor gespielt, habe dann nach einer Fingerverletzung wieder aufgehört und mit dem Badminton begonnen“, berichtete Kirch.
Beim SV Mettlach saß er zwar schon ein paar Mal auf der Bank, gespielt hat Kirch für die Blau-Weißen auf dem Feld aber noch nicht. In der Hallenrunde feierte der Tore verhindernde Physio-Therapeut dann aber sein Debüt für die Blau-Weißen. Bei drei Turnieren war der 24-Jährige mit von der Partie. Jetzt hofft Kirch, dass er auch mit zum Masters-Finale nach Erbach darf. „Voriges Jahr war ich nur als Physio dabei. Jetzt als Physio und Torwart mit dabei zu sein, wäre richtig toll“, so Kirch.

(Quelle: Saarbrücker Zeitung vom 24.01.2012)

 

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